Abschied vom Ehrenmitglied Tomaž Tozon

Veröffentlicht 17. Februar 2025

Tomaž Tozon

29. 11. 1937 – 17. 2 2025

Mit Trauer geben wir bekannt, dass unser Freund und Ehrenmitglied des Slovenski oktet, der Bariton Tomaž Tozon, in die Ewigkeit eingegangen ist.

Er ruhe in Frieden!

„Aufrichtiges Singen ist eine Abkürzung zum Glück.“ Tomaž Tozon

Tomaz Tozon

Tomaz Tozon SLO8

Auszug aus dem Buch von B. Pangerc: Slovenski oktet, Ljubljana, 2007

Er wurde am 29. November 1937 in Ljubljana geboren; er studierte Musikwissenschaft an der Musikakademie und war von Beruf Redakteur und Produzent bei RTV Slovenija.

Er sang im APZ (Akademischer Chor), im Kammerchor des Rundfunks, im Lehrerchor „Emil Adamič“, im Quartett Do und natürlich im Slovenski oktet. Als Kind sang er im Film „Kekec“ das Lied „Kaj mi poje ptičica“ und bewies somit schon früh sein Gesangstalent.

Seiner Stimme nach ist er Bariton; im Slovenski oktet sang er von 1978 bis 1996.

Das Singen sei – so Tozon – stark mit dem Seelenleben verbunden. Deshalb sang er gern alle Arten von Liedern, alle, die genügend Aussagekraft besaßen; Lieder ohne künstlerische Spannung, ohne eine Botschaft, die allzu gekünstelt sind, sprechen ihn nicht an, ihnen ist er nicht zugetan.

Was die Form der Konzerte betrifft, mochte Tomaž Tozon Stilkonzerte. Der zeitgenössischen Musik steht er kritischer gegenüber, da er meint, dass man sie oft nur schwer richtig erleben und daher noch schwerer interpretieren kann.

Von den Gastspielen mit dem Slovenski oktet blieben ihm Norwegen und Spanien am stärksten in Erinnerung. Im Übrigen ist ein Leben, wie er es mit dem Slovenski oktet führte, auf die Sendung ausgerichtet, mit Hilfe oder im Namen des Liedes Menschen zusammenzubringen. Beim Slovenski oktet fühlte er sich überall wie zu Hause.

Zu den Erlebnissen, die es wert sind, festgehalten zu werden, betonte Tozon, dass er die Begegnung mit Nicolai Gedda am stärksten erlebt habe. Dieses Erlebnis war gesanglich das reifste und erfüllteste, auch weil ihm bewusst war, mit welcher Größe er gemeinsam auf der Bühne stand. Alle Konzerte mit Gedda lösten beim Publikum wahre Ovationen aus.

„Als wir auf der Tournee durch Spanien auftraten, sang Gedda in Madrid. Wir fuhren zum nächsten Ort unserer geplanten Tournee und hörten während der Fahrt zufällig die Radioübertragung des Konzert-Recitals von Nicolai Gedda aus Madrid. Besonders faszinierte uns, ich würde sagen, überwältigte uns geradezu, der Applaus, den Gedda am Ende des Konzerts erlebte und der nicht enden wollte. Das ist unbeschreiblich und unvergesslich.

Tief in Erinnerung geblieben ist mir auch das Erleben der Vorbereitungen auf größere Konzerte und der Stimmung nach dem Konzert in renommierteren Sälen, wie z. B. in Peking oder im Teatro Colón in Buenos Aires. Dort standen die Menschen z. B. ab fünf Uhr morgens Schlange, um sich eine Eintrittskarte zu sichern.

Ebenso reizvoll war es an Orten, an denen wir vor einem Publikum auftraten, bei dem wir nicht vorher wissen konnten, wie es unseren Gesang aufnehmen würde. Das erlebten wir zum Beispiel in Afrika. Interessant und überraschend ist, dass im Nu alle Barrieren fielen. Das volkstümliche Empfinden für das Volkslied ist überall ähnlich oder gleich.

Eine ganz besondere Erinnerung verbindet mich mit Angola. Wir hatten eine angekündigte Tournee. Wir hätten am Geburtstag von Präsident Agostinho Neto singen sollen. Doch er starb während der Tournee plötzlich, und mit einem Schlag wurden im ganzen Land alle Veranstaltungen abgesagt, auch unsere Konzerte. Wir waren im Hotel Tropical untergebracht; es ging uns märchenhaft gut, doch durften wir das Hotel nicht verlassen – außer um bei der Trauerfeier für den verstorbenen Präsidenten zu singen. Und zwar auf den ausdrücklichen Wunsch seiner Frau.

Am Tag der Beerdigung wurde er aus Moskau, wo er gestorben war, überführt, und wir Mitglieder des Slovenski oktet wurden gebeten, bei den Trauerfeierlichkeiten zu singen. Wir Sänger marschierten im Smoking unmittelbar hinter dem Sarg durch die Hauptstraße der Stadt bis zum Präsidentenpalast, wo Präsident Neto aufgebahrt lag, und wir sangen ihm mehrere Stunden lang, während der ganzen Zeit, in der einheimische und ausländische Delegationen vorbeizogen. In jenen Tagen hallte durch Luanda ununterbrochen das Ave Maria von Gounod, gesungen von Mario Lanza.

Wunderschöne Erinnerungen bewahre ich an Norwegen. Dorthin fuhren wir aufgrund einer Umfrage, die die Konzertagentur unter den Menschen durchführte und bei der das Slovenski oktet gewöhnlich den ersten Platz belegte. Ich möchte auch betonen, dass das Slovenski oktet neunzehnmal in Norwegen gastierte.

Eine solche Hingabe und solche Beweise der Beliebtheit, wie wir sie in Norwegen erfuhren, haben wir nirgendwo sonst erlebt. Nach den Konzerten luden uns die Menschen zu sich nach Hause ein und bewirteten uns mit Stolz und Feingefühl. Hausfrauen backten sogar Torten mit Figürchen der Oktettmitglieder. Mir passierte es, dass ich in Ålesund die Auslage eines Geschäfts betrachtete, als ein Herr auf mich zukam, mir auf die Schulter klopfte und sagte: ‚Sie sind also neu beim Slovenski oktet.‘

Auf unseren Reisen um die Welt erlebten wir auch Notlagen. 1979 zum Beispiel verschärfte sich während unserer Tournee in Mosambik die politische Lage so sehr, dass die Ausreise aus dem Land stark in Frage gestellt war. Wir hatten es aber eilig, da wir bei der Eröffnung der Mittelmeerspiele in Split singen sollten. Der Flughafen war völlig leer, und kein Flugzeug startete. Erst am dritten Tag gelang es uns, eines der wenigen Flugzeuge zu besteigen, die Mosambik zu verlassen begannen. Unterwegs kam uns der Flug jedoch verdächtig vor, und anstatt nach Rom zu fliegen, landeten wir in Lissabon, waren aber glücklich, überhaupt wieder in Europa angekommen zu sein. Nach Rom brachte uns ein Flugzeug der SIT Africa Avion, und das war das Verdienst unseres Präsidenten und Begleiters Bogdan Pogačnik, dem es nach langen und zermürbenden Verhandlungen wohl gelang, irgendeinen ‚Scheich‘ zu überzeugen, uns an Bord zu nehmen. Von Rom nach Split hatten wir Glück, und vom Flughafen Split fuhr uns Hals über Kopf der für uns bestimmte Bus, und wir zogen uns schon während der Fahrt um. Im Stadion kamen wir genau zur vereinbarten Stunde für die Eröffnung der Mittelmeerspiele an. Und wir sangen!

Viele Konzerte hatten wir auch in Spanien, wo wir außergewöhnlich herzliche Aufnahmen erlebten, doch sangen wir auch vor einem völlig leeren Saal, weil der Veranstalter schlicht vergessen hatte, das vereinbarte Konzert zu organisieren.

Am Ende der Tournee durch die USA verkündete beim Abschlusskonzert unser Bassist Marjan Štefančič, der auch die Ansagen machte, feierlich dem Publikum im Saal: ‚Jetzt singen wir Ihnen das 1000. Lied auf der Amerika-Tournee.‘“

Tomaž Tozon ist wie ein offenes Buch, ein Buch mit Notenlinien und hohem Gesang, der nicht nur in Erinnerungen widerhallt, denn Tomaž ist noch aktiv, und zwar als künstlerischer Leiter des Oktetts Lip Bled, des Oktetts Adoramus aus Novo mesto und als Dirigent des gemischten und des Männerchors der „Glasbena matica – Ljubljana“, in dem er sich einst die Gesangsfertigkeiten aneignete, die ihn mit dem Slovenski oktet in die Weltspitze führten.

(Ljubljana, 6. Dezember 2005)

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