Abschied vom Ehrenmitglied Juraj Pajanović
Veröffentlicht 28. Dezember 2020
Mit Trauer geben wir bekannt, dass uns im Alter von einundsiebzig Jahren unerwartet unser Freund und Sangeskollege, das Ehrenmitglied des Slovenski oktet, der Bassist Juraj Pajanović, verlassen hat.
Mitglied des Slovenski oktet war er vom Herbst 1996 bis zum Frühjahr 2000.
Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Er ruhe in Frieden.
Slovenski oktet

Auszug aus dem Buch von B. Pangerc: Slovenski oktet, Ljubljana, 2007
Juraj Pajanović wurde am 26. Mai 1950 in Sarajevo geboren und zog 1995 nach Ljubljana. Im Slovenski oktet sang er Bass, und zwar von 1996 bis 2000.
Obwohl er das Singen schon immer geliebt hat, kam er ganz zufällig zum Sängerberuf. Er selbst begeistert sich nämlich für Informatik und sagt, er sei aus Zwang Sänger geworden. „Ich arbeitete in der Fabrik Alhoz in Sarajevo; zusammen mit fünfzehn weiteren Kollegen gehörte ich zu den Pionieren der Informatik. 1972 nahmen wir auch an einem Lehrgang teil, den „Intertrade“ IBM in Radovljica und Bled organisierte. Gleichzeitig sang ich im Akademischen Chor in Sarajevo, der gerade Händels Messe einstudierte, und plötzlich erkrankte einer der wichtigsten Bassisten. Der Dirigent bat mich, die Situation zu retten. Der Auftritt gelang so gut, dass ich im Juni 1974 ordentliches Mitglied des Akademischen Chors wurde, im September desselben Jahres wurde ich in den Chor des RTV Sarajevo aufgenommen, und ein Jahr darauf engagierte man mich an der Oper und stellte mein Leben auf den Kopf. Was ich aber keineswegs bereue! Wo denken Sie hin!“
Musikalisch bildete er sich größtenteils privat weiter; Sologesang studierte er bei Prof. Bruno Špiler an der Musikakademie in Sarajevo. Sein Wirken in Chören war reich. Fünfundzwanzig Jahre sang er im Akademischen Chor in Sarajevo, im Chor des RTV Sarajevo, dann in Ljubljana im Oktett Prijatelji; 1995 erhielt er eine Anstellung als Opernsänger an der SNG Opera in balet Ljubljana, wo er im Chor zu singen begann und auf der Bühne kleine und mittlere Rollen gestaltete.
In der Oper lernte er Maestro Anton Nanut kennen, der 1996 Šivics Oper „Cortesova vrnitev“ dirigierte und zugleich begann, das neue Slovenski oktet aufzubauen. In der Oper sang Pajanović die Rolle des Don Antonio, und Nanut holte ihn von den Brettern direkt in das entstehende neue Ensemble.
Juraj Pajanović sang im Slovenski oktet bis Februar 2000, als er wegen immer häufigerer beruflicher Pflichten und immer größerer familiärer Verpflichtungen (es wurde ihm nämlich das zweite Kind geboren) vor eine Wahl gestellt wurde.
Mit der Zeit, die er mit den Sängern des Slovenski oktet verbrachte, verbinden ihn in erster Linie schöne Erinnerungen. Teuer geblieben sind ihm die Freundschaften, vor allem mit jenen Sängern, mit denen er beruflich noch immer in Kontakt steht.
Als jemand, der dem Gesang verschrieben ist, sang er mit dem Oktett gern alle Arten von Liedern und Programmen.
„Mir hat immer zugesagt, was Nanut und Vidic ausgewählt haben. Im Übrigen habe ich stets mit professioneller Haltung gesungen. Am meisten haben mich vielleicht die alten slowenischen Meister mit ihren Volksliedbearbeitungen angezogen, und am meisten genoss ich es, wenn Vladimir Čadež und Jože Vidic ihre solistischen Partien sangen. Seit ich das Singen liebgewonnen habe, singe ich außerdem gern Lieder aus der russischen bzw. altkirchenslawischen Liturgie. Das deshalb, weil meine Stimme zur Natur dieser Lieder passt, denn diese Lieder verlangen stimmliche Tiefe und eine feste Klangsäule.“
Zu der Zeit, als Juraj Pajanović im Slovenski oktet sang, trat das Ensemble überwiegend in Slowenien auf; Reisen ins Ausland gab es nicht so viele wie in früheren Zeiten. Natürlich fiel diese Zeit auch mit der Phase zusammen, in der das neue Oktett noch seinem neuen Klangbild nachspürte und zugleich seine inneren Beziehungen ordnete, vor allem was die Abstimmung mit den beruflichen Verpflichtungen der Einzelnen betraf.
Doch in den vier Jahren im Oktett sammelte sich auch beim Bassisten Pajanović eine Menge an Erlebnissen und auch an heiteren Anekdoten an.
„Zu den stärksten Eindrücken zählt gewiss das Konzert in Sarajevo gleich nach Kriegsende. Zum Konzert kamen meine ehemaligen Sangeskollegen und viele Freunde, die nach Gesang dürsteten. Der Auftritt verlief in einer besonderen Atmosphäre, die uns auf der Bühne beflügelte, sodass ich sagen muss, dass es wirklich ein gutes Konzert war. Auch die Zuhörer waren begeistert, obwohl das nicht jenes Slovenski oktet war, das sie gewohnt waren.
Tief in Erinnerung geblieben ist mir auch ein Konzert, das nicht stattgefunden hat. In Hrvatini bei Koper hatte unser Organisationsleiter einen abendfüllenden Auftritt vereinbart. Wir kommen dort an, singen uns ein, ziehen uns um – und von Leuten keine Spur. Auch Werbung gab es nirgends. Die heikle Lage nahmen wir mit Humor, und bald hatten wir sie verschmerzt.
Auf der Burg in Miren bei Nova Gorica sang der Bariton Zdravko Perger im Rollstuhl. Er war weiß wie eine Wand und auch ganz voller Angst, weil er aus dem Krankenhaus geflohen war. In Slovenj Gradec wiederum kamen beide Baritone, Perger und Vidic, mit Krücken zum Konzert; wir sangen auf der Empore, und als die beiden langsam die steile Treppe hinaufhumpelten, neckten wir sie, der Weg zum Himmel sei eben steil …
In Rečica ob Savinji erzählte die Ansagerin die Geschichte des Oktetts; sie sagte, es habe einst Dutzende von Sängern gegeben, doch am Ende seien nur acht übrig geblieben. Und sie sagte das so ernst und überzeugend, dass wir uns nicht beherrschen konnten und – vielleicht auch ein wenig unhöflich – losprusteten.
Am schwierigsten war es in Oberkrain, in einem kleineren Dorf, wo es keinen richtigen Saal gab und wir wie in einer Art Lagerhalle sangen. Der Raum war so schalltot, dass wir uns selbst nicht hörten, was wir sangen, und uns auf die Münder schauen mussten, um den Text gemeinsam zu artikulieren.
Das sympathischste Erlebnis hatte ich in Rijeka. Während des Konzerts bekam ich aus dem Publikum einen Zettel auf die Bühne, auf dem stand: Molim Dvenadcat razbojnikov. Hvala! Dvanajst razbojnikov war mein Hit – mein Erkennungslied.“
Bedauern Sie etwas aus dieser Zeit?
„Dass ich nicht mehr beim Oktett bin, ganz und gar nicht, denn das war meine Entscheidung. Ich lebe vom professionellen Gesang und stand am Scheideweg. Leid tut mir aber, dass ich aus jener Zeit keine ernsthaftere Aufnahme habe, beziehungsweise dass es uns damals nicht gelungen ist, eine eigene CD herauszubringen. Wir haben zwar versucht, in Škofljica aufzunehmen, aber es war nicht die richtige Zeit dafür … Ansonsten habe ich schöne Erinnerungen an das Oktett. Mit den Oktettsängern, die in Ljubljana leben und arbeiten, sind wir in guter freundschaftlicher Verbindung geblieben. Mit einigen teile ich sogar den Arbeitsplatz in der Oper, sodass wir im Grunde noch immer irgendwie zusammen singen. Ich muss sagen, dass ich mit dem Oktett eine große Zahl slowenischer Lieder gelernt habe. Als ich mich einmal zur Übung einsang, war ich selbst überrascht, wie viele ich kann …“
(Ljubljana, 21. Juni 2006)
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